Waitomo Caving

Waitomo Caving

15.05.2003: Neuseeland - Ticker

Jeder Neuseelandreisende kennt den Namen Waitomo (Maori: wai=Wasser: tomo=Höhle), denn dieser Ort ist Ausgangspunkt für faszinierende Höhlentouren und Glühwürmchen-Safaris.
Das Dorf liegt eingebettet in einer Landschaft die geprägt ist von bizarr aufragenden Kalksteinformationen und Dolinen, daß sind trichterförmige Vertiefungen im Boden, die durch eingebrochene Höhlendecken entstehen. Nicht selten fließen und versickern Bache in diesen Öffnungen, um sich dann unterirdisch ihren neuen Weg zu bahnen.




Fast wäre ich durch das “Dorf” hindurchgefahren, denn die Ansammlung von ein paar Häusern war als Ort auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Immerhin fragte mich der Campingplatzbesitzer sofort, nachdem er einem Blick auf meinen Pass geworfen hatte, ob ich Campino und die “dead trousers” kennen würde. Die hatten hier nämlich vor vier Jahren genächtigt, so falsch konnte ich in Waitomo also nicht sein…

Neben den Höhlen ist Waitomo auch für die Unmengen von Glühwürmchen bekannt, die in den nassen Grotten anzutreffen sind. Glühwürmchen gibt es überall in Neuseeland, aber hier finden sie besonders gute Bedingungen. In Wirklichkeit ist es gar kein Wurm, sondern die etwa streichholzgrosse Larve des mückenähnlichen Insekts Arachnocampa Luminosa.
An der Höhlendecke klebend produziert es dort viele Fäden aus Schleim, die es als klebrige “Angeln” ein paar Zentimeter herabhängen lässt. Angezogen vom chemisch leuchtendem Licht, verfangen sich Mücken und Fluginsekten in den Fäden und werden anschliessend vom “Würmchen” verspeist. Je heller sie leuchten, umso grösser ist ihr Hunger (ja, dass stimmt wirklich!)

Ganze drei Tage habe ich in Waitomo verbracht und dabei viel erlebt. Eines Nachts bin ich durch eine nur vom Schein der Glühwürmchen (und manchmal auch meiner Taschenlampe) erhellten Klamm gewandert. Anderntags wurde ich mit einem Boot über einen unterirdischen See gefahren und auch hier hat das bläulich-grüne Glimmen der Glühwürmchen die Szenerie beleuchtet.
Von zwei anderen Abenteuer-Höhlentouren möchte ich genauer berichten. Entgegen der tatsächlichen Chronologie beginne ich gleich mit dem absoluten Highlight.

Lost World Epic Tour

Waitomo Adventure: Lost World Epic Tour, 7 Stunden

Alles begann mit einem Abstieg am Seil aus 100m Höhe in eine riesige, farnbewachsene Felsspalte. Die Ausmasse dieses Lochs waren wirklich gigantisch gross. Eine Abseilplattform mit acht parallel aufgehängten Seilen war am Rand des Abgrunds montiert worden, so dass sich alle Teilnehmer und die beiden Führer gleichzeitig herablassen konnten.
Am “schlimmsten” war es, die Ausgangsposition einzunehmen. Dazu musste ich mich auf ein kleines Metallrohr setzen, welches etwas ausserhalb der Plattform montiert war, und dass in luftiger Höhe von einhundert Metern!

Langsam ging es hinab und meine Augen hatten Mühe, die Grössenverhältnisse richtig einzuschätzen. Lange bevor wir die Hälfte des Seils passiert hatten war ich der Meinung, wir hätten schon mindestens die ersten 50 Meter hinter uns. Ich fühlte mich wie ein Teil eines Expeditionstrupps, auf dem Weg tief ins Erdinnere.
Am Grund des Schachtes wurde uns nach dieser ersten Etappe ein kleines Mittagessen serviert. Wir genossen den Blick nach oben, zum sonnenbeschienenen Höhlenrand, während neben uns ein grosser Bach plätscherte. Dem Verlauf dieses unterirdischen Bachbetts sollten wir die nächsten 3 Stunden stromaufwärts folgen, ganze 3 Kilometer lang.

Gleich zu Anfang erfolgte die “traditionelle” Höhlentaufe, denn der Klettersteig führte mitten durch einen kleinen Wasserfall. Ein herrliches Gefühl, wenn zum ersten Mal das kalte Flusswasser oben am Halsausschnitt in den Neoprenanzug rinnt… Sich bewegen hält warm, also weiter.
Teilweise mussten wir klettern, manchmal sogar schwimmen, ohne zu wissen wie tief das Wasser unter uns wirklich war. Immer aber hingen über unseren Köpfen in ca. 40 Metern Höhe die Glühwürmchen an der Höhlendecke.
Einmal endete eine längere Schlufstrecke (Kriechstrecke) plötzlich an einer Felskanzel, unter uns sahen wir das dunkle Wasser im Schein unserer Helmlampen glitzern. Die Guides hatten natürlich eine einfachere Abkürzung genommen und waren dem Hauptstrom gefolgt. Jetzt erwarteten sie uns rufend und anfeuernd. Es blieb uns nichts anderes übrig als in das tiefe Wasser zu springen - eine große Gaudi!
Am Ende dieser genialen Tour erblickten ich und die anderen vier Teilnehmer wieder das satte Grün des neuseeländischen Weidelandes, beleuchtet von der warmen Abendsonne. Und das Ende war genau dort, wo der Bach im Berg verschwand.

Dieses Highlight werde ich so schnell nicht vergessen, es war eine absolut aufregende und tief beeindruckende Innenansicht von Neuseeland! Und sie war definitiv jeden einzelnen Dollar wert!

Black Water Rafting: BWR II Tour, 5 Stunden

Den grössten Teil dieser Tour haben wir nicht laufend, sondern “treibend” zurück gelegt. Denn beim Black Water Rafting bekommt jeder Teilnehmer einen aufgeblasenen LKW Reifen unter sein Hinterteil geschoben, mit diesem treibt er dann gemächlich auf dem unterirdischen Fluss.
Nach einer ersten, wilden Plantsch-Orgie hat sich jeder Teilnehmer die Beine seines Hintermannes unter die Achseln geklemmt, auf diese Weise bildeten wir einen langen “Gummi-Wurm”. Danach bat uns der Guide, die Helmlampen auszuschalten und langsam zog er unser Gummifloß auf dem Strom durch die Höhle.
Die Glühwürmchen an der Höhlendecke wirkten wie Sterne einer fremden Galaxie, so fern und wunderbar. Eine unserer Teilnehmerrinnen war eine ausgebildete Musical-Sängerin und sie gab einige ihrer Stücke zum Besten, bei feinster Original-Höhlen-Akustik! Könnt Ihr Euch vorstellen, wie diese Stimmung ein wohliges Kribbeln im ganzen Körper erzeugt? Es war einfach unbeschreiblich! Diese romantisch-schöne Tour wird mir sicher auch noch lange im Gedächtnis bleiben.

Waitomo hat für jeden Besucher ein passendes Höhlenerlebnis zu bieten, abgesehen von Höhlen-Musicals wird fast alles angeboten…

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