The Far North District

The Far North District

17.07.2003: Neuseeland-Ticker

Fangen wir gleich ganz oben an: Der krönende Abschluss des Far North Districts, also dem nördlichsten Teil Neuseelands, bildet Cape Reinga. Es ist zwar nicht ganz genau der nördlichste Punkt, dafür aber die Stelle, an der die schäumenden Wogen der Tasmansee auf den südpazifischen Ozean treffen.
Als ich auf der kleinen, 165m hohen Landspitze beim Leuchtturm stand, konnte ich dieses Schauspiel sehr gut beobachten. Mitten im Meer vor mir, schlugen die Wellen von Ost und West aufeinander, von weisser Gischt gekrönt.




Cape Reinga

Fangen wir gleich ganz oben an: Der krönende Abschluss des Far North Districts, also dem nördlichsten Teil Neuseelands, bildet Cape Reinga. Es ist zwar nicht ganz genau der nördlichste Punkt, dafür aber die Stelle, an der die schäumenden Wogen der Tasmansee auf den südpazifischen Ozean treffen.
Als ich auf der kleinen, 165m hohen Landspitze beim Leuchtturm stand, konnte ich dieses Schauspiel sehr gut beobachten. Mitten im Meer vor mir, schlugen die Wellen von Ost und West aufeinander, von weisser Gischt gekrönt.
Aus touristischer Sicht hat dieser Ort nicht viel mehr zu bieten als die herrlichen Aussicht, doch für die Maori Bevölkerung hat diese Stelle eine ganz besondere Bedeutung. Cape Reinga ist für sie der Ort, an dem die Seelen der Toten entschwinden. Zunächst rutschen die Seelen an den Wurzeln eines alten Pohutukawa-Baums hinunter in den Ozean. Auf einer der Küste vorgelagerten, kleinen Inselgruppe, tauchen sie wieder auf, um ein letztes Mal Lebewohl zu sagen, bevor sie zu ihren Vorfahren nach Hawaiki (nicht zu verwechseln mit Hawaii) zurückkehren.

90 Mile Beach

Ihre letzte Ruhestätte, also Cape Reinga, erreichen die Seelen entlang des an der Westküste verlaufenden “Ninety Mile Beach”. Ich weiss zwar nicht wie schnell diese Seelen sind, bin mir aber sicher, dass wir ein paar von ihnen überholt haben müßten, als wir mit 100 km/h den Strand entlang gecruised sind. Für diesen Trip schloß ich mich einer organisierten Bustour an, die den Strand (der in Wirklichkeit nur 64 Meilen = 103 km lang ist) in speziell dafür umgerüsteten Reisebussen “erkundet”. Dank der Nebensaison teilte ich den 50-Sitzer nur mit drei weiteren Leuten.
Der Fahrer legte eine CD mit sphärischen Klängen auf, so konnten wir die Wanderung der Seelen auf moderne Art und Weise nachempfinden. Obwohl “Ninety Mile Beach” zum offiziellen, staatlichen Strassennetz gehört (auch hier gilt Tempolimit 100), rät mein Reiseführerhandbuch dringend davon ab, mit dem eigenen Fahrzeug den Strand zu befahren. Zu leicht kann man im losen Sand stecken bleiben und Opfer der Gezeiten werden. Es gilt ausserdem, ein drei Kilometer langes Stück Treibsand zu überwinden, hier rät der Reiseführer: “im niedrigen Gang starten und niemlas anhalten, egal wie verlockend die Dünen auch erscheinen mögen!” Unser Busfahrer wusste natürlich wo und wie er anhalten muss, damit wir in den Genuss dieser herrlichen Sanddünen kamen.
Früher hätte man sich vielleicht damit begnügt, die Dünen zu erklimmen, um die Aussicht zu geniessen. Heutzutage stürzt man sich auf kleinen Surfbrettern (Boogie Boards) liegend, die Abhänge hinunter. Wer es schafft, dabei keinen Sand zu fressen, ist schon relativ gut. Ein Teilnehmer hatte wohlt Schwierigkeiten mit dem Bremsen und präsentierte uns einen eleganten Abgang ins Flussbett. Beim “Hausberg” war ich noch mit dabei, die “Schwarze Piste” habe ich allerdings ausgelassen, zu steil hing es hier bergab.

Kauri-Baum (Agathis australis)

Wer sich im Norden aufhält, kommt unweigerlich auch in Kontakt mit dem Kauri-Tree, eine der grössten Baumarten der Welt (was die Menge des verwertbaren Holzes betrifft). Doch leider muss man sich erst auf die Suche machen, wenn man grössere Exemplare dieser Fichtenart finden möchte. Mit dem Eintreffen der Europäer in Neuseeland fielen die mächtigen Stämme, des bis zu 50m hohen und 20m dicken Baumes, vielfach der Säge zu Opfer. Kaum zu glauben, dass Northland, Auckland und die Coromandel Peninsula, früher von Mischwäldern bedeckt waren, in dem die grossen Kauri-Bäume überwogen. Die einzigen zusammenhängenden Überreste befinden sich heute in zwei kleinen Wäldern.
Es hat mich tief beeindruckt, zwischen den mächtigen Bäumen umherzuwandeln (ich wollte ja mal Forstwirtschaft studieren…). Da sich der gigantische, astlose Stamm zur Spitze hin kaum verjüngt, hatte ich den Eindruck, in einer grossen Halle mit mächtigen, steinernen Säulen zu stehen. Ausgewachsenen Bäume liefern das Holz für immerhin bis zu 30 Holzhäusern (einfacher Bauart).
Für die Maoris ist “der Herr des Waldes” ein heiliger Baum, tief verwurzelt in ihre Mythologie. Zum Glück dürfen heutzutage nur noch Bäume zum Bau eines Zeremonial-Kanus gefällt werden.

Matauri Bay

Nördlich der Bay of Islands befindet sich die kleine Matauri Bay, mein absoluter Lieblingsplatz in der “Far North” Region. Schon bei der Anreise hat man von einem Höhenzug im Landesinneren einen ersten, überwältigenden Blick auf die sandige Bucht und die dahinter liegenden Cavalli Islands. Von dort oben windet sich die Strasse in engen Serpentinen den Berg hinab.
Über gleich zwei Strände verfügt der örtliche Campingplatz, er befindet sich auf einer Art Halbinsel. Ein Strand hat feinen, goldgelben Sand und der andere schwarze Kieselsteinen. Mit Harry, meinem Wohnmobil, stehe ich keine fünf Meter vom Sandstrand entfernt und kann im Rückspiegel sogar die Wellen der anderen Seite beobachten.
Die kleine Halbinsel endet in einem Hügel, auf dessen Spitze das “Rainbow Warrior Memorial” steht, des gleichnamigen Schiffes. Das Wrack, des 1985 vom französischen Geheimdienst im Hafen von Auckland gesprengten Greenpeace Schiffes, hat hier vor der Küste seine letzte Ruhestätte gefunden. Es bildet heute ein künstliches Riff und kann in Tauchgängen erkundet werden.
Manchen Neuseeländern ist das Attentat auf die Rainbow Warrior immer noch lebhaft im Gedächtnis geblieben. Immerhin war es der erste terroristische Anschlag mit internationalen Konsequenzen für das Land. Neben dem Memorial in Matauri Bay, gibt es auch eine Gedenktafel im Hafen von Auckland (Marsden Wharf). Die Schiffsmasten, Schiffsuhr und andere Gegenstände sind im Dargaville Maritime Museum zu sehen, inklusieve eines Tagebuches über den genauen Hergang des Anschlages.
Mit dem Museums Direktor unterhielt ich mich ausführlich darüber und über “the French”, wie er sagte. Ein anderer Mitarbeiter erzählte mir, dass er französische Besucher immer zuerst zur Rainbow Warrior Abteilung führt und dann zu einer alten französischen Fregatte, die seinerzeit vor Neuseeland gestrandet ist. Das ist wohl die Rache des kleinen Mannes :-)

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