Rotorua
20.05.2003: Neuseeland - Ticker
Zuerst dachte ich, es wäre der Morgennebel, der sich immer noch über der Stadt gehalten hat. Als dieser Nebel dann aber auch aus den Gullideckeln zu kommen schien, wusste ich, dass ich in Rotorua angekommen war. Eigentlich heisst Rotorua “zwei Seen”, doch die Reisenden verbinden es eher mit dem Gestank fauler Eier, zwei Seen voller fauer Eier. Falsch ist es nicht, denn bei dieser “Schwefelstadt” handelt es sich immerhin um eines der dichtesten und zugänglichsten Geothermalgebiete der Welt.
Rotorua
Zuerst dachte ich, es wäre der Morgennebel, der sich immer noch über der Stadt gehalten hat. Als dieser Nebel dann aber auch aus den Gullideckeln zu kommen schien, wusste ich, dass ich in Rotorua angekommen war. Eigentlich heisst Rotorua “zwei Seen”, doch die Reisenden verbinden es eher mit dem Gestank fauler Eier, zwei Seen voller fauer Eier. Falsch ist es nicht, denn bei dieser “Schwefelstadt” handelt es sich immerhin um eines der dichtesten und zugänglichsten Geothermalgebiete der Welt.
Pohutu Geysier, Whakarewarewa, Rotorua
Ein zwanzig Meter hoher Geysir schießt inmitten kaleidoskopischer Mineralbecken seine Fontäne in die Höhe, dampfende Schwaden überziehen brodelnde Schlammlöcher, verkrustete Minerale hängen wie Stalaktiten von den Sinterterrassen herab - kurz: Vulkanismus, wie er im Buche steht.
Im Rotorua Museum, in dem unter anderem die Geschichte des Ortes zur Blütezeit der Bäderkultur zu sehen ist, lernte ich eine Japanerin kennen. Auch sie war gerade hier angekommen und so beschlossen wir Rotorua und Umgebung gemeinsam zu entdecken.
Für manche mag das sicherlich verwunderlich ausgesehen haben, wenn wir unseren Plan für den Tag besprachen. Dabei hielt sie ihren japanischen Reiseführer in Händen, ich lass die deutsche Erklärung der Texte und wir tauschten uns auf englisch darüber aus.
Maori Krieger
Aus dem nachtdunklen Wald war nur eine leise Flötenmelodie zu hören, vereinzelte Lichter erhellten die belaubten Kronen der Bäume. Wir bildeten einen Halbkreis um unsere fünf Chiefs (Anführer) und blickten erwartungsvoll zum Eingang des Marae (Dorf). Wir, das waren ca. 250 Krieger von fünf verschiedenen Stämmen. Angereist mit je einem Waka (Beförderungsmittel, hier Bus).
Plötzlich war lautes Geschrei zu hören! Krieger mit furchteregenden Tätowierungen und Waffen erschienen zwischen den Bäumen. Einer von ihnen, der stärkste Kämpfer, vollführte einen energiegeladenen und atemberaubenden Tanz vor unseren Chiefs. Dabei versuchte er immer wieder zu provozieren und richtete seine Waffe herausfordernd auf sie.
Nachdem er sich schliesslich davon überzeugt hatte, dass wir in absolut friedlicher Mission angereist waren, übergab er uns das Teka (Friedenssymbol) und wir durften das Marae lebend betreten.
So ähnlich muss es sich wohl früher bei Begegnungen zwischen friedlichen Stämmen zugetragen haben. In unserem Fall war es die perfekte Inszenierung für zahlenden Kunden. Im ersten Moment mag es abschreckend klingen, dass Tamaki Tours hier jeden Abend bis zu 300 Touristen auf einmal durchgeschleust. Doch die Show war so perfekt in Szene gesetzt worden, dass wir das Gefühl hatten, es wäre allein heute für uns arrangiert worden.
Nach der Bergüssungszeremonie besichtigten wir das Maori Dorf (eine Nachbildung). Hier wurden verschiedene Aktivitäten aus vergangenen Zeiten vorgeführt. Männer und Frauen saßen an Lagerfeuern, übten sich in der Kunst des Musizierens, Webens und der Erstellung von Kultgegenständen. In einem großen Gebäude in der Mitte des Museumsdorfes folgte später eine Aufführung von Tänzen und Liedern.
Schliesslich gipfelte der Abend mit einem typischen Hangi (Erdofen) Essen. Die Fleischsorten und Gemüse waren so zart und lecker, dass ich gar nicht genug davon bekommen konnte. Bemerkenswert war der leicht rauchige Geschmack (wie bei einem guten, schottischen Whisky).
Am meisten haben mich die Kriegstänze beeindruckt, die kraftvollen Bewegungen, die Mimik und Gestik, der geschickte Umgang mit dem Taiahai (Waffe), all dass taugt wirklich dazu, den Gegner noch vor dem Kampfe einzuschüchtern. Überdies erfüllt es einen weiteren, wichtigen Zweck. Es ist gewissermassen ein “warm-up”, macht die Muskeln geschmeidig und bring das Blut in Wallung.
Maoris sind Krieger, dass merkt man sofort. Es ist sicherlich mit ein Grund, warum sie das einzige Naturvolk sind, welches sich einen relativ gleichberechtigten Platz neben einer “Besatzungsmacht” erkämpft hat. Dieser Weg war lang und steinig und heute noch werden Urteile gesprochen, in denen Maoris ihr Land wieder zurückerhalten. Aber sie sind wesentlich besser dran, als die Aborigines in Australien.
Paradoxerweise haben viele Maoris im zweiten Weltkrieg für die Besatzungsmacht England ihr Leben gelassen. Ein Maori erzählte mir nicht ohne Stolz, Rommel hätte auf Hitlers Frage, was er denn brauchen würde, um den Krieg in Nordafrika zu gewinnen geantwortet: Gib mir eine Division Maori-Krieger und ich werde diese Schlacht gewinnen!
