Napier
29.05.2003: Neuseeland - Ticker
Und wieder einmal habe ich mich auf Anhieb verliebt! Die Kleinstadt Napier hat mich sofort in ihren Bann geschlagen. Vielleicht hatte daran auch ein bisschen das Wetter schuld.
Bei 10 Grad und heftigen Regenfällen war ich am Morgen in Turangi gestartet und nachmittags empfing mich das mediterrane Klima der Hawke’s Bay mit wohligen 20 Grad und Sonnenschein.
Es ist aber auch nicht einfach, sich dem besonderen Mix dieser Gegend zu entziehen. Dieser besteht aus der Hafenstadt Napier, mit ihrer weltweit schönsten Ansammlung von kleinen Art-Deco-Häusern, dem Weinland Hawke’s Bay, einem der grössten und meistgelobten Weinanbaugebiete Neuseelands und natürlich dem reizvollen, mediterranen Klima. Letzteres weiss ich gerade jetzt im beginnenden “Winter” sehr zu schätzen.
An der Architektur des “Art Deco” war ich besonders interessiert und schloss mich einer Stadtführung der Art-Deco-Stiftung an. Eine engagierte, ehrenamtliche Führerin erklärte uns mit Hingabe alle Details dieser Stilrichtung. Nach zwei Stunden Intensivkurs erkenne nun auch ich die Symbolsprache dieser Architektur, mit ihren aufgehenden Sonnen, Zickzackleisten, Blitzen und Zigarreformen. Oft kombiniert mit Elementen der Maori Kultur.
Die leuchtenden Farben der Gebäude und das friedvolle Ambiente der Stadt, lassen nicht vermuten, dass hier 03. Februar 1931 das schwerste Erdbeben in der überlieferten Geschichte Neuseelands gewütet haben soll. Zerstörerische 7,9 auf der Richter-Skala legten die Stadt in Schutt und Asche. Die meisten Holzgebäude überstanden zwar dem ersten Zittern, wurden aber vom nachfolgenden Feuer ausgelöscht. Entfacht wurde die Feuersbrunst von zwei Apotheken (an jedem Ende der Stadt eine), die grade damit beschäftigt waren, mit ihren Bunsenbrennern die Tabletten und Salben der Bestellungen zuzubereiten.
Das Beben war so gewaltig, dass sich der Boden um bis zu zwei Meter anhob, dadurch floss das Meer aus der Ahuriri Lagune ab und schuf 300 Quadratkilometer Neuland. Die auf dem neuen Festland zurückbleibenden Fischerboote und der tonnenweise verrottende Fisch, waren zur diesem Zeitpunkt das geringste Problem. Trotz Wirtschaftsflaute nahm man die Gelegenheit wahr und legte die Stadt neu an, mit dem damals vorherrschenden Baustil, dem Art Deco.
Was wäre ein Besuch dieser Gegend, ohne die unvermeidliche Weintour. Zum Glück kann man solche Touren buchen, damit man nicht selber fahren muss (alternativ gibt es auch Fahrradverleihstationen).
Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass ich nach vier Weingütern mit jeweils fünf Proben nun nicht mehr so genau wiedergeben kann, was mir wo am besten geschmeckt hat. Es war einfach alles gut! Die Fahrt durch die herbstlich-bunten Weinanbaugebiete, in den letzten Strahlen der Abendsonne, werden mir aber am besten in Erinnerung bleiben.
