Harry

Harry und Haast Pass im Frühling

04.12.2003: Neuseeland-Special

Mein Campervan Harry heisst Harry, weil die australischen Vorbesitzer James und Tara ihn so getauft haben. Immerhin hat Harry auch einen schicken Schlüsselanhänger wo Harry draufsteht. 1985 wurde er in einem Toyota Werk irgendwo in Japan zusammengeschraubt und fährt seit über 200tkm in Neuseeland auf und ab - mit Sicherheit tut er dass heute noch.

Eigentlich war ich auf der Suche nach einem normalen Van, wenn möglich mit langem Radstand, um eine Matratze unterbringen zu können. Das Ende der Hauptreisezeit spielte mir im Mai bei meiner Suche in die Hände, die Schwarzen Bretter der Hostels und Backpackers waren mit Autoangeboten vollgepackt. Viele wollten oder mussten ihre Wägen verkaufen…


Wohl wissend dass mich in einem Jahr das gleiche Schicksal ereilen wird, bot ich bei den angebotenen Wagen grundsätzlich immer nur 2/3 des angegebenen Preises, trotzdem hatte ich freie Auswahl. Von anderen Rucksackreisenden ein Auto zu kaufen ist ein bisschen so, wie das Spiel mit dem brennenden Streichholz - es wird so lange weitergereicht, bis die Flamme erlischt und der Motor im A…. ist. Von Motorrädern verstehe ich ein bisschen was, von Autos gar nichts. So war ich allein auf meine Menschenkenntnis und meine Einschätzung des Verkäufers angewiesen. Bei James und Tara hatte ich ein gutes Gefühl, sie erklärten mir den Wagen bis ins letzte Detail, auch dass es die Kupplung wohl nicht mehr lange machen würde erwähnten sie gleich und vier Tage später war es dann auch so weit.

Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich einen Campervan gekauft habe. Gerade jetzt im Winter macht er sich doppelt bezahlt. Auf Campingplätzen, die ich im Sommer eher vermeiden möchte, hänge ich mich ans Stromnetz und mache es mir mit dem Heizlüfter gemütlich. Und wenn es ab 18 Uhr dunkel wird, schalte ich die Festbeleuchtung im Inneren an. Damit überstehe ich auch locker ein paar graue Regentage.
Würde ich meine Zeit nur in Mehrbettzimmern und den Aufenthaltsräumen der Hostels verbringen, hätte ich sicher schon längst die ein oder andere Heimweh-Krise gehabt. Aber Harry ist wie meine Wohnung, hier kann ich sogar persönliche Dinge um mich herum anordnen. Inzwischen verfüge ich sogar über eine kleine Bibliothek. Festzustellen mit wie wenig man auskommen kann, ist auch eine schöne Erfahrung, die mich das Wohnmobilleben lehrt - der Stauraum ist begrenzt. Alles was sich zu Hause auf dem Dachboden und im Keller ansammeln würde, kaufe ich erst gar nicht ein.

Für alle diejenigen unter Euch, die bei Ihrem Neuseelandaufenthalt ähnliches planen, habe ich alle bisherigen Kosten zusammengetragen:

03.05.03 Anschaffung des Wagens, 3.000$, Kilometerstand 200.600
03.05.03 Eintragung des neuen Besitzers, ca. 15$
03.05.03 neuer Vorderreifen, 111$
04.05.03 Jahresmitgliedschaft NZMCA (Motor Caravan Assn.), 100$
04.05.03 Vollkasko Versicherung (über NZMCA), ca. 350$
07.05.03 neue Kupplung, 650$, Kilometerstand 201.000
04.07.03 Luftfilter, 29$
04.07.03 neue Registrierung für 6 Monate, 113$
17.07.03 zwei neue Hinterreifen, 215$, Kilometerstand 205.000
30.07.03 WOF (=TÜV) für 6 Monate, 40$
30.07.03 neue Luxus-Polsterung der Rückbank (Bett), 460$
22.08.03 neue Bremssättel vorne, Ölwechsel + neuer Ölfilter, 130$, Kilometer 209.000
30.09.03 Zündkerzen und Kleinzeugs mit Einbau, 130$
01.10.03 Auspuff “explodiert”, Motor läuft nicht mehr “rund”, Kilometer 211.000
02.10.03 erfolglose Fehlersuche, 50$
03.10.03 erfolgreiche Fehlersuche und Einbau eines neuen Kondensators, 130$
06.10.03 neuer Auspuff, 180$
01.12.03 Verkauf des Wagens, 3700$, Kilometerstand 219.000
Umrechnungskurs: 1 neuseeländischer Dollar entspricht ungefähr 50 EUR Cent

Benzinverbrauch: Landstrasse 12l, Stadt 14l - nach dem Zündkerzeneinbau hat sich der Verbrauch um 2 Liter verbessert

Das hört sich erstmal nach richtig viel Geld an, doch wenn Ihr ein bisschen rechnet werdet Ihr schnell feststellen, wie günstig das Reisen auf diese Art ist, sogar für eine Person. Bustickets und Hostelbetten können auch ganz schön ins Geld gehen.

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