Hamilton und weitere Umgebung

Toyota Hiace

13.05.2003: Neuseeland - Ticker

16 Liter Benzin, ein schweissnasses T-Shirt und eine neue Kupplung, dass ist die Bilanz der ersten 200 Kilometer mit meinem neuen “Motor Home” und der Erfahrung, wie es sich auf der falschen Straßenseite fahren läßt.
Mein neues Wohnmobil hatte ich direkt auf dem Campingplatz in Takapuna Beach, einem Vorort von Auckland, übernommen. Und erst zwei Tage später, einem Montag Mittag, stürzte ich mich zum ersten Mal in den Linksverkehr. Was für ein Spass!




Mein Wohnmobil “Harry”

16 Liter Benzin, ein schweissnasses T-Shirt und eine neue Kupplung, dass ist die Bilanz der ersten 200km mit meinem neuen “Motor Home”. Nach den ersten zwei Nächten auf dem Campingplatz in Takapuna Beach, einem Vorort von Auckland, habe ich mich am Montag Mittag zum ersten Mal in den Linksverkehr gestürzt. Dass war ein Spass!

Eigentlich ist alles ganz einfach, nur im Kreisverkehr versucht die Gewohnheit meistens falsch abzubiegen. “Immer schön links halten” war da meine Devise. Schliesslich hat es auch geklappt, ich erreichte die Autobahn Richtung Süden (zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch locker 80 bis 90 km/h fahren).

Die Nacht verbrachte ich auf einem nahezu ausgestorbenen Campingplatz in Port Waihato, an der Westküste. Auf der Landkarte ist eine große Flussmündung eingezeichnet, genau dort liegt der Ort.
Am nächsten Tag wollte ich mich eigentlich weiter entlang der Küste durchschlagen, doch Harry (so hat mein Vorbesitzer den Van getauft) wollte nicht. Plötzlich war es nur noch mit Anlauf, heulendem Motor und Gestank möglich, 60 km/h zu erreichen. Also beschloss ich kurzerhand direkt nach Hamilton zu fahren, um dort die nächste Werkstatt aufzusuchen.
Ein besonderes Erlebnis, ganz ohne Hast auf einer Schnellstrasse unterwegs zu sein und sich in Ruhe die Blumen und Sträucher am Strassenrand anschauen zu können. Der Polizist, der mich wenig später stoppte, war da allerdings anderer Ansicht. Als er merkte, dass ich von “Übersee” komme, hat er mir erstmal die neuseeländischen Verkehrsregeln erklärt…
Schliesslich erreicht ich die Vororte von Hamilton und auch eine Werkstatt. Leider mußte meine Kupplung erst bestellt werden und sollte am nächsten Tag eintreffen, also blieb mir nichts anderes übrig, als im Wohnmobil auf dem Parkplatz vor der Werkstatt zu übernachten - inmitten eines trostlosen Industriegebietes.
Wenn man wenig Zeit hat, dann ärgert so ein unfreiwilliger Aufenthalt natürlich tierisch. Aber ich nahm die 24 Stunden Wartezeit bei “AA Auto Service” gelassen hin, zumal ich auch schon beim Kauf des Autos wusste, das die Kupplung bald fällig werden wird.

In Neuseeland ein Auto zu kaufen ist wirklich eine einfache Sache. Es hat länger gedauert, die $ 3.000 nachzuzählen (die Automaten geben grundsätzlich nur 20 Dollar Noten raus), als das Formular auf dem Postamt auszufüllen. Die Quittung die man dort erhält gilt als Nachweis des Eigentümerwechsels, die restlichen Unterlagen werden ein paar Tage später zugeschickt.
Es geht vor allem auch deshalb so schnell, da in Neuseeland keine Versicherung vorgeschrieben ist. Mir war das allerdings zu unsicher und durch eine Mitgliedschaft im Caravan Verein konnte ich eine äusserst günstige Vollkasko Versicherung bekommen (billiger als Teilkoasko). Alle paar Monate muss man dann noch mit seinem Auto zum TÜV (hier heisst es WOF) und zudem auch die Registrierung verlängern lassen.

Tasman Sea, die Westküste Neuseelands

Meine ersten Kilometer auf Neuseelands’ Strassen brachten mich in den kleinen Ort Port Whaikato, an der Westküste. Nach meiner Ankunft fuhr ich zu aller erst zum Strandparkplatz. Schon als ich den Wagen hinter den Dünen parkte, bemerkte ich die Dunstglocke, die in der Luft hing.
Ich erklomm die Dünen und blieb plötzlich wie angewurzelt stehen, tief beeindruckt von dem Schauspiel dass sich mir bot. Gegen den breiten, schwarzen Sandstrand schlugen riesige, gischtgekrönte Wellen (daher auch die hohe Luftfeuchtigkeit). Es war nicht einfach nur ein Rauschen zu hören, sondern ein tiefes, donnerndes Grollen, verursacht von einer unglaublich starken Brandung.
Die Wellenberge brachen sich 6, 7, 8 mal, ja sogar noch öfters. Ich konnte die gewaltige Macht, die dort am Werk war, förmlich spüren. Immer wieder lief mir ein leichter Schauer über den Rücken, als ich den Strand entlang in Richtung der Mündung des Waikato Flusses lief. Und als wenn das Meer selbst Atem holen müsste, zog sich das Wasser oft weit zurück, um dann plötzlich mit voller Wucht über den flachen Strand zu schiessen. Wehe dem, der sich unbedacht zu weit dem Meer genähert hatte, der fand sich nun knietief in einer reissenden Strömung wieder - nicht ungefährlich das ganze.

Zwei Angler und viele Möwen hatten sich schon die besten Plätze in der ersten Reihe an der Flussmündung gesichert, denn bald würde die Flut das Wasser und mit ihm viele Fische zurück in den Fluss drücken. Mit den Anglern kam ich ein bisschen ins Gespräch, sie waren beide so Ende Zwanzig, doch wie es schien noch nicht oft aus ihrem Kaff herausgekommen.
Port Whaikato liegt in einer Art Sackgasse, es gibt nur eine weitere Schotterstrasse, die Richtung Süden die Küste entlang weiter führt. Auf meine Frage ob es lohnenswert wäre, dort weiter zu fahren, antworteten beide, dass sie da eigentlich noch nie gewesen waren…

Von Hamilton über Raglan nach Kawhia

Mein Besuch in Hamilton, der viertgrössten Stadt Neuseelands, habe ich durch den Werkstattaufenthalt notgedrungen etwas vorgezogen. Auch hier treffe ich wieder auf den Waikato River. Umgeben von schönen Parkanlagen windet er sich durchs Stadtzentrum.
Auf einer Raddampferfahrt werde ich über alle wichtigen Sehenswürdigkeiten entlang des Flusses informiert. Das sind vor allem die fünf Brücken, unter denen wir hindurchschippern. Ich stelle mir im Geiste die Hochglanzbroschüre des örtlichen Tourismusverbandes vor: “Besuchen Sie Hamilton, die Stadt mit den fünf Straßenbrücken über den Waikato!” So etwas kommt bestimmt super gut an!

In Kawhia, einem kleinen Fischer-Kaff, wird als touristisches Highlight des Ortes die unverfälschte Ruhe, die es hier zu erleben gilt, gepriesen. Zu deutsch: hier ist nix los. War aber trotzdem schön dort. Mit einem Schmunzeln muss ich immer wieder feststellen, wieviel Mühe sich die Tourismus Manager geben, um aus “Nichts” etwas zu machen. Der Ort Raglan hat es immerhin zu internationaler Bedeutung gebracht - zumindest unter Surfern, denn hier gibt es die beste “lefthander” (linksbrechende Welle) der Welt!

one comment for “Hamilton und weitere Umgebung”

  1. JuLe

    Wie witzig … und unser Harry sah auch noch deinem sehr, sehr aehnlich. Da unser Harry ein Ford war, da lag Harrison (Harry) Ford als Namensgebung nahe. Ganz einfach - und wir vermissen ihn sehr. Ohne ihn ist Oz einfach nicht das Gleiche. Hab viel Spass mit deinem Harry! Cheers.

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