Coromandel und East Cape, die Ostküste der Nordinsel

Coromandel

23.08.2003: Neuseeland-Ticker

Zwischen USA, Australien und Afrika liegt Neuseeland, wenn man wie Miriam ein “around the world” Ticket hat. Und zwischen der Nordspitze Neuseelands und der Coromandel Halbinsel liegt der Flughafen von Auckland - klar, dass ich meine ehemalige Arbeitskollegin von dort abholte und wir ein paar Tage gemeinsam durchs Land reisten.
Den Winter vor uns hertreibend, führte uns unsere zweiwöchige Tour von Auckland in Richtung Südosten nach Napier. Unter anderem lagen folgende Punkte auf unserer Strecke: Thames, Coromaldel Town, Fletcher Bay, Whitianga, Tauranga, Rotorua, Whakatane, East Cape und Gisborne.




Fletcher Bay

An dieser Stelle könnte ich beginnen, seitenweise von der ausnehmend schönen Natur zu berichten. Von kleinen Küstenstrassen, die an steilen Klippen entlangführen, beschattet von alten Phutukawa-Bäumen. Von der an der Nordspitze der Coromandel Peninsula gelegenen Fletcher Bay und ihrem fantastischen Blick auf Great Barrier Island, oder der rauhen Schönheit, der mit Treibholz übersähten Strände des East Capes. Doch ich möchte nicht mit detaillierten Beschreibungen dieser Art langweilen, statt dessen werde ich einige der Highlights herausgreifen, denn eines ist mir inzwischen klar geworden: die Natur Neuseelands ist überall von eindrucksvoller Schönheit!

Man spricht deutsch

Nur 50.000 deutsche Touristen finden ihren Weg jährlich nach Neuseeland, angesichts einer Gesamtzahl von 2 mio Touris (Zahlen von 2002) eine ausnehmend kleine Gruppe. Nach dem “asian way of travel” wäre das Thema mit 1.000 Reisebussen abgehandelt, doch meine Landsleute ziehen es vor, in vielen kleinen Wohnmobilen auszuschwärmen. In meiner persönlichen Statistik konnte ich mit dem Beginn der dt. Sommerferien eine erhöhte Anzahl davon verzeichen. Auf dem Campingplatz am “Hot Water Beach” zum Beispiel, waren sechs der sieben Camper “deutsch”. Bin ich nicht extra ans andere Ende der Welt gereist, um meinen Landsleuten zu entfliehen? Wahrscheinlich dachten sie sich in diesem Moment genau das gleiche…

Hot Water Beach

Dieser besondere Strand zeichnet sich durch heissen Quellen aus, die bei Ebbe aus dem Sand ins Meer fliessen. Mit Spaten und Schaufel kann man sich hier einen privaten Pool anlegen, während hin und wieder kalte Wellen aus dem Ozean für salzige Abkühlung sorgen. Dick eingepackt in unsere Fleece-Pullover beobachteten Miriam und ich das lustige Treiben, ohne selbst aktiv zu werden. Hinterher kamen wir zu dem Schluss, so richtig heiss wurde es den Leuten eigentlich nur dabei, als sie verzweifelt versuchten Sandbarrieren gegen die aufbrandenden Wellen zu errichen. Die deutsche Taktik ging nicht auf, nur ein Team bestehend aus vier einheimischen Jugendlichen konnte einen funktionsfähigen Pool vorweisen.

“Nickel Strausse”

Wenn wir uns auch gerade noch über die Invasion der Deutschen gewundert hatten (alle waren übrigens sehr nett und freundlich), so machten wir uns nun gezielt auf die Suche nach ihnen. In Erwartung eines Mittagsgerichtes mit Spezialitäten aus dem Schwarzwald, besuchten wir das Restaurant “Nickel Strausse”. Die Anlage mit Übernachtungsmöglichkeit (+ Sauna, Massage und Yoga) liegt herrlich eingebettet in einem schnuckeligen Tal, sieben Kilometer südlich von Whangamata. Leider bieten die deutschen Wirtsleute seit längerem nur noch Abendessen an, aber wir konnten immerhin ein Erdinger Weizen und eine leckere Schwarzwälder Kirschtorte abstauben - top Kombination kann ich nur sagen!

“Ohinemuri Estate Winery and Cafe”

Zur Kaffeezeit machten wir Rast bei Horst Hillerich in seiner “Ohinemuri Estate Winery and Café”, malerisch gelegen in der Karangahake Schlucht. In dieser Klamm brach 1875 Coromandels erster Goldrausch aus und auf einem kurzen Spazierweg konnten wir tatsächlich noch die Eingänge mehrerer Goldminen und die Überreste alter Gerätschaften entdecken. Im nahe gelegenen Ort Waihi wird immer noch Gold (und Silber) abgebaut, wöchentlich bringt die dortige Martha Mine Edelmetall im Werte von einer Million Neuseeland-Dollar hervor. Von einer Aussichtsplattform kann man einen Blick in die riesige Tagebaumine werfen, die zu einer der ganz wenigen in Neuseeland gehört und in zwei Jahren geschlossen werden soll.

Goldgräberschlucht Karangahake Gorge

Aller Guten Dinge sind drei und so machten wir uns in Tauranga auf die Suche nach der “Blackforest Gourmet Butchery”. Das Geschäft scheint gut zu laufen, denn es schliesst Montags bereits um 13 Uhr (pünktlich!). Wir drückten uns um 13:07 Uhr die Nasen an der Scheibe platt und mussten hilflos zusehen, wie die leckeren Wurstwaren weggepackt wurden…

King of Capes

Mit dem East Cape habe ich nicht nur den östlichsten Punkt meiner Reise insgesamt erreicht, sondern nun auch die Nordinsel in ihren vier Ausdehnungen bereist: Cape Palliser im Süden (25.05.03), Cape Egmont im Westen (31.05.03), Cape Reinga im Norden (08.06.03) und schliesslich das East Cape am 15.08.03.

Das Ost-Kap umschliessende Land heisst praktischerweise Eastland und zählt zu den am dünnsten besiedelten Gebieten Neuseelands. 330km des Pacific Coast Highways umrunden die Halbinsel und bieten immer wieder spektakulär-schöne Ausblicke auf die wilde Küste. Der gemächliche Lebensrythmus der hier mehrheitlich ansässigen Maori-Bevölkerung macht sich spätestens dann bemerkbar, wenn man den ersten Reitern begegnet, die auf ihren Pferden die Strasse entlang zockeln.
Miriam und ich haben uns für diese Strecke drei Tage Zeit genommen, waren aber nicht unglücklich, als wir mit Gisborne wieder eine der grösseren Städte erreicht hatten. In der europäischen Geschichte des Landes spielt Gosborne eine besondere Bedeutung. Am hiesigen Strand setzte James Cook 1769 erstmals einen Fuss auf den Boden Neuseelands. Aber auch geographisch ist die “östlichste Stadt der Welt” eine Besonderheit, denn hier erreicht das Sonnenlicht jedes neuen Tages zum ersten Mal “festes” Land.

Polizei im Einsatz No. 2

Dem Bier sonst völlig abgeneigt ;-) gönnten wir uns ausnahmsweise zum Mittagessen jeder ein schönes Franziskaner Hefeweizen (nur 3,99$ im Supermarkt = ca 2 €). Wieder auf der Strasse bemerkte Miriam eben noch: “wenn du Bier getrungen hast, fährst du viel lustiger”, als ein uns entgegenkommendes Polizeifahrzeug hinter uns wendete und mit Blaulicht und Sirene zum Anhalten aufforderte. Wir nutzten die Zeit bis der Officer ans Seitenfenster getreten war und schnallten uns ersteinmal an. Ich gab mich als Tourist zu erkennen und lies mich darüber belehren, dass in geschlossenen Ortschaften nur Tempo 50 erlaubt sei. Mit gut gespieltem Erstaunen nahm ich zur Kenntnis, dass Harry (mein Wohnmobil), 15 km/h zu schnell gefahren war, entspricht genau 80$. Zum Glück kam ich mit einer Verwarnung davon und versprach Mässigung. Noch vor drei Monaten hatte man mich wegen “Langsamfahrens” angehalten und jetzt dass - ich versteh’ es nicht! (Der Inhalt dieser Geschichte ist frei erfunden, alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig! Nachahmung wird nicht empfohlen!)

Die Welle, featuring Sally Wentworth

In Matata (zwischen Tauranga und Whakatane) übernachteten wir auf einem äusserst günstigen Campingplatz (3$ pro Person), gelegen zwischen einem Binnengewässer auf der einen Seite und Dünen plus Pazifik auf der anderen. Vom Platzwart wurden wir mit den freundlichen Worten begrüsst: “this is paradise!” Wir glaubten ihm aufs Wort und setzten uns in der Abenddämmerung mit einem Bierchen in der Hand auf einen Baumstamm an den Strand. Langsam wurde es dunkler und während wir die Brandung beobachteten, mussten wir hin und wieder die Füsse hochnehmen, wenn eine besonders grosse Welle an unserem Sitzplatz leckte.
Es wurde wieder einmal Zeit für Sally Wentworth, einer begnadeten Schriftstellerin, die mit ihren Groschenromanen die Tauschbibliotheken der Campingplätze überschwemmt. Miriam hatte sich mit Begeisterung eine dieser schillernden Liebesgeschichten einverleibt und musste mir jeden Abend (genauso überschwänglich) einen Teil davon erzählen. Gerade befanden sich die Protagonisten an Bord eines Mini U-Bootes und Sie (26, rotes, wallendes Haar) stellt ihn (Anfang 30, blaue Augen) zur Rede.
Passender wäre es eigentlich gewesen, wenn das U-Boot von dem die Rede war, einen Unfall gehabt hätte und gesunken wäre, als uns die riesige Welle erwischte… Wir sahen die Brandung nicht kommen, denn es war mittlerweile noch dunkler geworden, wir sassen plötzlich einfach nur bis zur Hüfte im Wasser! Alles ging so schnell, und wir sassen immer noch unbeweglich dort, als sich das Meer schon längst wieder zurückgezogen hatte. Lachen konnten wir zwar, wenn auch etwas gequält, denn meine Nikon Kamera hing mir während der ganzen Zeit über die Schulter. Doch dank dem gut abgedichteten Metallgehäuse ist nichts weiter passiert.
Ein Gläschen Rotwein (ein Hoch auf Sally!) erweckte unsere Glieder wieder zum Leben, nachdem alles von Wasser und Sand befreit worden war. Und natürlich ließ ich mir dann auch noch das (happy) Ende dieser herzerwärmenden Geschichte erzählen…

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