Kaffeehausbesitzerin Angie Deister, Whangarei

Angie Deister

Wenn im Sommer Segeljachten aus aller Welt im Town Basin von Whangarei festmachen und die Touristen an der Marina entlang flanieren, dann wird Angie Deister in ihrem “Coffee House Mokaba” jede Hilfe nötig haben. Working-Holiday-Visa Reisende mit gastronomischer Erfahrung, aber auch Köche und Bäcker sind willkommene Arbeitskräfte. Wer ist Angie und wie kommt die Deutsche dazu, in Neuseeland ein Café zu eröffnen?

Neuseelands nördlichste und wärmste Stadt ist Whangarei. Die Stadtväter nennen sie “City of 100 Beaches”, oder auch “Superyacht City”. Alle Strände habe ich nicht gezählt, aber der Jachthafen, Town Basin genannt, im Herzen der Sadt, ist wirklich ein äusserst schöner und einladender Platz. Auf der südlichen Seite werden die Schiffe und Jachten von Holzgebäuden im Kolonial-Stil flankiert, sie beherbergen Kunsthandwerker Läden, das Hafenmeisterbüro, Cafés und Restaurants.

Hier, direkt an der Marina, befindet sich das Reich von Angie Deister.
Am 26.05.03 eröffnete sie zusammen mit ihrem Mann das “Mokaba Coffee House”. Ein elegantes Café, in dessen gemütlicher Atmosphäre ich mich sofort wohl gefühlt habe. Mit viel Liebe zum Detail und einem guten Blick für Proportionen hat sie den Raum gestaltet. Hinter der schräg stehenden Theke blickt man in die kleine Showküche. Dort werden nicht nur die leckeren Kuchen und Muffins gebacken, zur Mittagszeit wird hier auch richtig gekocht. So schön es im Inneren des Cafés auch ist, den besten Blick auf die kleinen Jollen, stolzen Jachten und das Geschehen im Hafen, hat man von der hübschen Terrasse.

Aber wie kommt eigentlich eine Winzertochter aus Schwabenheim (bei Mainz) dazu, am anderen Ende der Welt ein Café aufzumachen? Wenn man sich Angies Geschichte anhört, dann ist das eigentlich gar nicht so verwunderlich, denn sie liebt Herausforderungen. Mit 19 Jahren ist die heute 40-jährige von zu hause losgezogen und war seit dem eigentlich fast immer irgendwie “auf Achse”. Damals fuhr sie mit ihrem Freund und einem umgebauten LKW zweieinhalb Jahre durch Afrika. Danach ging es mit einem Segelschiff rund um die Welt. Vor 10 Jahren ankerten sie zum ersten Mal in Neuseeland, da es für Segler sozusagen auf dem Weg liegt und Sicherheit vor den Hurrikans bietet. Zu dieser Zeit wurde ihre Tocher geboren, das schaffte die besondere Beziehung zu Neuseeland. Und nicht zuletzt ist ihre Tochter auch der Grund, etwas sesshafter zu werden, etwas zu finden “was uns bindet”. Durch Kellnern hat sich Angie in den Häfen dieser Welt, und alle paar Jahre auch in Deutschland, schon immer ihr Reisegeld verdient. So lag es auf der Hand ein Café zu eröffnen. Und natürlich sind es die Menschen und der Umgang mit ihnen, der sie reizt.
“Wer vor der deutschen Bürokratie flüchtet, sollte nicht nach Neuseeland kommen”, sagt sie, “hier habe ich den gleichen Papierkram wie in Deutschland.” Es hat immerhin ein Jahr gedauert, bis der erste Cappuccino verkauft werden konnte.

Von “dem Land der langen weissen Wolke” ist die gelernte Tischlerin immer noch begeistert. Am meisten schätzt sie die Toleranz der Menschen hier. “Zwischen einem Arzt und einem Strassenarbeiter ist im wesentlichen kein grosser Unterschied, keiner schaut auf den anderen herab. Jeder kann hier seinen persönlichen Lebensstil verwirklichen, und es ist nichts ungewöhnliches, wenn sich bei manchen Menschen Perioden des Arbeitens und Reisens abwechseln. In Deutschland würde man da eher anecken. Ausserdem,” so sagt sie, “wird hier mehr Wert auf die Fähigkeiten der Leute gelegt, man braucht keine Ausbildung, um Handwerker zu sein.”
Doch nach ihrer Ansicht ist der Ruf des Landes (gerade in Deutschland) viel besser als die Realität. Natürlich ist Neuseeland grün, Luft und Wasser sind sauber, aber es ist auch sehr hart hier sein Geld zu verdienen. Deshalb ziehen die Kiwis auch so viel um, immer dorthin, wo es gerade Arbeit gibt. Im Schnitt werden die Häuser alle paar Jahre gewechselt. “So eine Gemeinschaft (jeder kennt jeden) wie in Schwabenheim, findet man hier kaum,” sagt Angie und das vermisst sie wirklich. Auf meine Frage, wie sie sich denn ihre Zukunft so in fünf bis zehn Jahren vorstellt, antwortet sie: “zuerst einmal soll der Laden hier so richtig brummen und ein Treffpunkt für Touris und Segler aus aller Welt werden und dann, in 7 Jahren vielleicht, werden wir wieder Segel setzen…” Nach Deutschland sehnt sie sich nicht zurück und vermissen tut sie auch nichts (einzig und allein Haribo Goldbären lässt sie sich hin und wieder mitbringen). Aber in 20 bis 30 Jahren könnte sich Angie vorstellen, vielleicht wieder ganz zurück zu kehren.

Direkt an das Café angeschlossen ist ein Kunsthandwerksladen, das ‘Basin Arts and Crafts House’. Eine Kooperative von örtlichen Künstlern betreibt das Geschäft. So kann man zum Beispiel nach einem kleinen Snack im Mokaba noch in Ruhe herumstöbern und den ein oder anderen Gegenstand erwerben. Angie meint, die Menschen sind hier viel Kreativer als in Deutschland, jeder bastelt hier “irgendwie herum” und nicht wenige entdecken dabei ihr eigenes Talent. Tatsächlich kann man im ganzen Land Schilder entlang der Strassen sehen, die auf kleine Galerien von Kunsthandwerkern hinweisen. Auch in ihrem Café soll Raum für Kunst geschaffen werden, ganz in der Tradition der alten Kaffeehäuser. So plant Angie Dichterlesungen, Ausstellungen, aber auch Vorführungen, wie zum Beispiel Reiseberichte der Segler und Weltenbummler.

Weltenbummlerin Angie hat sich zumindest vorerst hier mit ihrer Familie niedergelassen, doch ihr Boot “Patuky” liegt immer in Sichtweite vertäut und wartet schon auf die nächsten Abenteuer. Wer also in den Genuss des herrlichen “german cheescake” (meine Empfehlung!) kommen möchte, sollte nicht zu lange damit warten. Und zusammen mit dem Kuchen serviert Angie Insidertipps der Umgebung, ein kurzer Halt lohnt sich also!

Mokaba (fully licensed), Quayside Town Basin, Whangarei, 09-43 87 557 täglich geöffnet von 9 bis 18 Uhr (im Sommer auch länger)

Write a comment: