Neuseeland in 21 Tagen
Für nur drei Wochen ans andere Ende der Welt zu fliegen, um dort Urlaub zu machen, hört sich in Anbetracht der langen und anstrengenden An- und Abreise absurd an. Doch unter gewissen Umständen scheint es vielleicht sogar machbar zu sein. Als mein Bruder Joachim die Idee äusserte mich besuchen zu wollen, tat ich natürlich alles andere als ihm davon abzuraten. Statt dessen klügelte ich ein optimales Programm aus. Immerhin verfügte er zusätzlich zu den 21 Tagen auch über die Zeit der An- und Abreise, für manchen Arbeitnehmer ist das schon eine ganze Menge!
Die ersten Planungsversuche einer sinnvollen Rundtour durch Neuseeland machten schnell deutlich, das ich dafür eigentlich völlig ungeeignet war. Ich landete immer bei mindestens sechs Wochen, daran war wohl mein bisheriger Reisestil schuld. Nach dem Motto “weniger ist mehr”, strich ich schliesslich kurzerhand die Nordinsel aus dem Programm, wenn schon Neuseeland, dann da wo es am spektakulärsten ist: nämlich auf der Südinsel. Letztendlich kann man den Nord- und Südteil des Landes ebensowenig miteinander vergleichen, wie Schweden mit Norwegen, finde ich. Doch selbst wenn wir uns nur auf die Südinsel beschränken würden, war die Planung nicht leicht. Ich wollte eine ausgewogene Mischung zwischen Sightseeing- und Erholungsurlaub erreichen und meinem Bruder vor allem die von mir am meisten geliebten und “versteckten” Ecken des Landes zeigen - das würde Zeit kosten. Aus Ermangelung an Strassen stand der grosse Fahrplan jedoch ohnehin fest: von Christchurch gegen den Uhrzeigersinn einmal rund um die Südinsel nach Christchurch.
Letztlich verlebten wir eine wunderschöne gemeinsame Zeit, die uns trotz aller Planung immer noch viel Raum für spontane Ideen gab. Glücklicherweise spielte auch das Wetter erstklassig mit. Nie hatten wir das Gefühl, im kleinen Toyota Campervan eingesperrt zu sein.
hier geht es zur Reiseplanung:
Tag 1: Christchurch - Hanmer Springs
Tageskilometer: 150
Übernachtung: Top 10 Holiday Park Hanmer Springs
Um 11:50 Uhr erwartete ich meinen Bruder am Airport in Christchurch, der einzigen Stadt der Südinsel mit internationalem Flughafen. Pünktlich und ausgeruht landetet er und mit sonnigen 22 Grad konnte der Empfang besser nicht sein. Umgehend starteten wir ins Urlaubsvergnügen, um dann gleich wieder beim “The Warehouse” (Where Everyone gets a Bargain) anzuhalten. Unglaublich, da flog mein Bruder um die halbe Welt und die ersten beiden Stunden auf neuseeländischem Boden verbrachten wir in Kaufhäusern! Schliesslich fanden wir einen Adapterstecker für sein Ladegerät und konnten endlich starten.
Für die erste Nacht hatte ich den Kurort Hanmer Springs mit seinen heissen Quellen eingeplant, in Erwartung mein Bruder würde sich nach Entspannung sehnen. Anscheinend hatte er den langen Flug jedoch bestens überstanden und wir unternahmen statt dessen einen Spaziergang zum Conical Hill und genossen im Abendlicht den phantastischen Blick über die weite Ebene und die Berge!
Tag 2: Hanmer Springs - Kaikoura
Tageskilometer: 150
Übernachtung: Top 10 Holiday Park Kaikoura
Auf Nebenstrassen zockelten wir gemütlich nach Kaikoura und mein Bruder bekam einen ersten Eindruck von der scheinbar endlosen Weite des Landes, mit seinen unzähligen Wiesen und Weiden. Am meisten beeindruckte ihn jedoch von Anfang an das saftige und intensive Grün der Landschaft. In allen möglichen Schattierungen leuchtete uns dieser Farbton entgegen. Hell-, Mittel-, Dunkelgrün und noch alles andere dazwischen.
Kaikoura ist in Neuseeland gleichbedeutend mit Whalewatching und Dolphin Swimming. Fast das ganze Jahr über kann man hier die gigantischen Pottwale beobachten, aber auch Buckelwale und Killerwale sind keine Seltenheit. Uns liess das erst einmal ungerührt (das Wetter war nicht besonders gut), wir erkundeten lieber die Gegend auf einem schönen Spaziergang an der Spitze der Kaikoura Peninsula.
Tag 3: Kaikoura - Blenheim - Picton - Nelson
Tageskilometer: 309
Übernachtung: Motorcamp Nelson (Stellplatz 10 empfehlenswert)
“Der frühe Vogel fängt den Wurm” - und macht die besten Bilder! Bei Sonnenaufgang schossen wir klasse Fotos von Kaikoura und der dahinter liegenden, bis zu 2.500m hohen Bergkette “Seaward Kaikoura Range”. Diese Szenerie erinnerte mich sehr an die Westküste der Südinsel: das Meer und ein schmaler Landstreifen mit gewaltigem Bergmassiv dahinter.
Die Walbeobachtung verschoben wir auf ein anders Mal, wir wollten lieber ein bisschen Strecke machen; also immer der Küste entlang gen Norden. Die Wein-Stadt Blenheim verliessen wir nach kurzer Rast wieder und erreichten bald Picton und die sich dort anschliessenden Marlborough Sounds. Fährt man mit dem Schiff durch die Sounds, kann man vor lauter Buchten, Inseln und Halbinseln das Festland und dessen üppigen Wildwuchs kaum ausmachen. Einen kleinen Eindruck der grandiosen Gegend vermittelte uns der kurze Wanderweg auf der Vicotia Domain in Picton und die anschliessende Weiterfahrt auf dem kurvigen Queen Charlotte Drive.
Tag 4: Nelson - Mapua - Motueka - Marahau
Tageskilometer: 74
Übernachtung: Motorcamp Marahau
Einen gemütlichen halben Tag widmeten wir der schönen und lebendigen Stadt Nelson, um dann Mittags im 34km entfernten Mapua ausgezeichneten Räucherfisch zu verspeisen. Direkt am Kai sitzend genossen wir dabei den Blick auf Rabbit Island. Obwohl es Dienstag war, fühlte sich dieser goldene Urlaubstag wie ein Sonntag an, die Sonne schien sanft auf uns herab, begleitet von einer lauen Seebrise - alles war so ungeheuer relaxt und wir hofften dieser Tag möge nie vergehen! Viel weiter als bis Marahau kamen wir an dann auch nicht mehr.
Tag 5: Marahau
Tageskilometer: 25 (zu Fuss)
Übernachtung: Motorcamp Marahau
Marahau ist das Tor zum Abel Tasman National Park. Auf einer Tageswanderung gaben wir uns ganz den Eindrücken von traumhaften, durch Granitfelsen unterbrochenen, goldgelben Sandbuchten mit kristallklarem Wasser hin. Das Aquataxi lieferte uns morgens in der Bark Bay ab und wir konnten uns für den 25km langen Weg zurück viel Zeit lassen.
Unglaublich, wie sich das Touristenaufkommen gegenüber meinem ersten Besuch Anfang September vergrössert hatte. “Man spricht Deutsch” im Abel Tasman NP, einmal rief man uns sogar ein “Grüss Gott” zu, obwohl nicht zu erkennen war, das wir Landsleute waren. Zu allem überfluss kreuzte auch noch eine 20 köpfige Studiosus Reisegruppe unseren Weg… Wie liessen uns die gute Laune nicht verderben, schliesslich waren wir ja auch nur Touristen. Und so wurde diese Wanderung zu einem der herausragenden Höhepunkte der Reise!
Tag 6: Marahau - Takaka - Collingwood
Tageskilometer: 156
Übernachtung: Motorcamp Collingwood (mit Meerblick)
Weiter ging es zu meiner absoluten Lieblingsecke in Neuseeland, zur Golden Bay! In dieser Gegend ist einfach alles genial: der quirlige und “coole” Ort Takaka, das ruhige Collingwood, liebliche Landschaften, der sandige, Volgelarten reiche Farewell Spit und der “geheime” und abgelegene Strand von Wharakiri. Das ist so ein geheimer Insider Tip, das ich dort sogar unerwartet eine ehemalige Kollegin aus Hamburg traf - Sachen gibts…
Am Spätnachmittag spürten wir schliesslich den Sand von Wharakiri Beach unter unseren Füssen. Ein Blick zu Joachim und ich sah das er genauso begeistert war wie ich. Der starken Winden und hohen Wellen ausgesetzte Strand erstreckte sich zu Füssen von gigantischen Klippen, die von Höhlen durchlöchert waren. Felsbrücken ragten unmittelbar vor der Küste aus dem Wasser, während Dünen eine Flussmündung blockierten und kleine Salzwasserseen und Inseln geschaffen hatten, die Pelzrobben als Heimat dienten. Wir genossen die Zeit dort sehr!
Tag 7: Collingwood - Motueka
Tageskilometer: 159
Übernachtung: Top 10 Holiday Park Motueka
Wharakiri Beach war so genial, das wir gleich an diesem Morgen noch einmal hin fuhren und einen weiteren halben Tag dort verbrachten. Strände haben etwas magisches, finde ich. Es ist als würde die Zeit stehen bleiben und doch vergeht sie wie im Flug. Nach den vielen Stunden dort fühlten wir uns reich beschenkt und das Rauschen der Brandung klang noch lange in unseren Ohren nach. Joachim wäre am liebsten noch ein paar Tage geblieben.
Tag 8: Motueka - Murchison - Westport - Carters Beach
Tageskilometer: 268
Übernachtung: Top 10 Holiday Park Carters Beach
Ostküste ade! Wir verliessen das liebliche nord-ost Neuseeland der Südinsel, mit seinen riesigen Obstgärten und grünen Feldern und erreichten die rauhe Westküste mit dem trostlosen Ort Westport.
Einer der Höhepunkte an diesem Tag war der Besuch der Pelzrobbenkolonie bei Westport und ein Spaziergang entlang der Küste zum Cape Foulwind, dem Ort der Australien am nächsten liegt.
Tag 9: Carters Beach - Charleston - Punakaiki - Greymouth
Tageskilometer: 126
Übernachtung: Top 10 Holiday Park Greymouth
Früh brachen wir auf, bereits um 9 Uhr wurde Joachim von Norwest Adventures erwartet, die ihn auf einen vier stündigen Underworld Rafting Trip mitnahmen. (Für diejenigen, die das Höhlenparadis Waitomo auf der Nordinsel nicht besuchen können, ist diese Tour eine gleichwertige Alternative.)
Mit Helm, Höhlenlampe und Neoprenanzug begab sich Joachim in das weitläufige Unterweltsystem, vorbei an faszinierenden Tropfsteinen und Sintervorhängen, bis er schliesslich den nassen Abschnitt der Höhle erreichte, der den Lebensraum der Glühwürmchen bildet. Waren beim Anblick der leuchtenden Tierchen bisher nur “ahhh’s” und “ohhhh’s” zu hören, so änderte sich das auf dem Action Teil der Tour in “yippie!” und “yeah!”. Mit aufgeblasenen Tracktorenreifen paddelte die Gruppe nun auf einem unterirdischen Strom, bis dieser sich direkt am Höhlenausgang in einen quirligen Fluss ergoss. Der Ritt auf den Stromschnellen des Nile Rivers bildete den krönenden Abschluss. Ich hatte an dieser Tour schon einige Wochen zuvor teilgenommen und desshalb meinen Bruder alleine losziehen lassen.
Weiter auf der Westküstenstrasse Nr. 6 zum nächsten Highlight Neuseelands, den Pancake Rocks. Direkt an der Küste bewunderten wir verwitterte Kalksteinschichten, die grossen Türmen aufeinander gestapelter Pfannkuchen ähnelten. Ursache hierfür ist ein chemischer Prozess, bei dem durch den Druck von übereinander gelagerten Sedimenten abwechselnd feste und weichere Zwischenschichten enstehen. Das ganze Felsgebäude ist untergraben von riesigen Meereshöhlen mit so genannten Blowholes, grossen Löchern, durch die bei Flut das Wasser nach oben gedrückt wird und immense Fontainen produziert. Glücklicherweise waren wir gerade bei Hochflut vor Ort, dann nämlich tritt dieser Effekt besonders stark zu Tage.
Eine Naturschöhnheit ganz anderer Art entdeckten wir in unmittelbarer Nähe der Pancake Rocks: üppiger und undurchdringlicher Regenwald! So zeigte sich Neuseeland bereits den grossen Seefahrern und ersten Entdeckern: eine rauhe Küste mit wilden Stränden und dem scheinbar unbezwingbaren Urwalddschungel dahinter. Heute hingegen ist meist jeder einigermassen zugängliche Landesteil ausgefüllt mit kultiviertem Weideland, Obstplantagen und den unendlich grossen Fichtenmonokulturen der Forstindustrie.
Tag 10: Greymouth - Hokitika - Franz Josef
Tageskilometer: 224
Übernachtung: Top 10 Holiday Park Franz Josef
Die Orte Gerymouth und Hokitika liessen wir links liegen, wenn man schon das Glück hat, einen sonnigen Tag ohne Wolken an der Westküste zu erwischen, muss das ausgenützt werden! Ich fuhr schon zum dritten Mal diese Strecke, hatte aber bisher noch nie Mt. Cook und die anderen Dreitausender der Southern Alps wolkenfrei gesehen.
Joachim und ich befanden uns im Fotografierrausch und fingen den höchsten Berg des Landes immer wieder aus neuen Perspektiven ein. Der Polfilter verstärkte dabei noch den Effekt von tief blauem Himmel, satt grüner Natur und den mit Eis und Schnee bepackten Gipfel - fast hatten wir deshalb das Gefühl, uns irgendwie an den zukünftigen Betrachtern unserer Bilder schuldig zu machen…
Ein kleiner Spaziergang zum Fusse des Franz-Josef Gletschers rundete diesen Tag ab und wir quetschten uns in eine Lücke des überquellenden Campingplatzes.
Tag 11: Franz Josef - Fox Glacier - Haast - Hawea - Wanaka
Tageskilometer: 318
Übernachtung: Top 10 Holiday Park Wanaka (genialer Platz mit Panoramablick)
Nach Franz Joseph folgte der Fox Gletscher. Sicherlich wäre eine geführte Tour auf einem der beiden schön gewesen, wir beliessen es aber bei der Vorstellung davon und fuhren weiter.
Während der Fahrt blätterte Joachim immer wieder in meinem Neuseeland Führer und machte mich auf Sachen aufmerksam, die ich bei meinen anderen Fahrten übersehen hatte, so zum Beispiel Monro Beach, wo man angeblich Dickschnabel Pinguine beobachten könnte. Dieser Nachmittag dort am Strand wurde schliesslich zu einem meiner schönsten Naturerlebnisse in Neuseeland überhaupt - denn wir sahen tatsächlich Pinguine! Die Kulisse dazu bildetet ein wildromantischer Strand, eingerahmt von ursprünglichem Wald. Nacheinander kamen vier Pinguine aus dem Wasser an Land, sie wurden von den Wellen förmlich angespühlt. Aus angemessener Entfernung beobachteten wir, wie die Tiere langsam und vorsichtig über den Sandstreifen watschelten und in Richtung ihrer Verstecke im angrenzenden Buschwerk verschwanden.
Nach Haast folgte die Strasse nicht länger der Westküste, sondern überquerte die Southern Alps. Ein neuer Teil der Landschaftsvielfalt Neuseelands präsentierte sich uns nun im goldenen Abendlich. Eingerahmt von kahlen, teilweise schneebedeckten Bergen, fuhren wir durch fruchtbare Täler, entlang grosser Seen. Verglichen mit der Westküste eine relativ karge Landschaft, aber beeindruckend durch ihre Tiefe und Weite.
Tag 12: Wanaka - Matukituki Valley
Tageskilometer: 61
Übernachtung: Matukituki Valley
Ich hatte ganz vergessen wie stressig das Touristen-Dasein normalerweise ist, hatte ich doch in den Monaten zuvor ein ganz anderes Reisetempo angeschlagen. Aber nicht nur mir war nach einem Ruhetag zu Mute, wir beschlossen das das beschauliche Wanaka dafür bestens geeignet sei, verwöhnten uns mit Cappuccino und Torte, füllten im Supermarkt unsere Speights Vorräte wieder auf und genossen einfach diese nette Stadt. Wenn man in Neuseeland eine Stadt erkundet, ist man damit meisten ziemlich schnell fertig, so viel geben sie ja doch nicht her. Aus diesem Grund fuhren wir in das grandiose und unbewohnte Matukituki Valley. Während Joachim wandern ging, zog ich mich mit einer weissen Cadbury Schokolade und Kurt Wallander in den Campervan zurück…
Dieses eine mal übernachteten wir nicht auf einem Campingplatz, sondern am rauschenden Raspberry Creek im wunderschönen Matukituki Tal.
Tag 13: Matukituki Valley - Cardrona - Arrowtown - Arthurs Point
Tageskilometer: 129
Übernachtung: Top 10 Holilday Park Arthurs Point
Frühes Aufstehen, kurzes Frühstück und gleich noch eine Wanderung. Diesmal der vier stündige Rob Roy Walk. In einem kleinen Seitental führte der Track an einem Bach entlang durch Buchenwald, der allmählich einer Hochgebirgsvegetation wich und schliesslich kam am Ende des Tals der Rob Roy Gletscher ins Blickfeld. Während wir den Ausblick genossen, kam zu unserer überraschung auch noch ein Kea angeflogen. Diese neugierigen Vögel (auf Taschen und Rucksäcke achtgeben!) gehören zur einzig echten Bergpapageienart der Welt.
über die Cardrona Crown Range Road ging es dann später nach Arrowtown und von dort weiter nach Arthurs Point, kurz vor Queenstown. Landschaft, Landschaft, Landschaft und wieder einmal schön, schön, schön!
Tag 14: Arthurs Point - Queenstown - Te Anau
Tageskilometer: 188
Übernachtung: Top 10 Holidaypark Te Anau (Stellplatz Nr. 8 empfehlenswert!)
Unser Geld bekommt ihr nicht! Alles was Queenstown den Ruf der Action Hauptstadt der Welt eingebracht hat (Bungee-Jumping, Jetboating, Rafting, River Surfing, Whitewater Sledging, Canyoning, Gleitschirm- und Drachenfliegen, Parasailing, Live Wire, Fly-by-Wire, Fallschirmspringen, Kunst- und Rundflüge, Reiten, Geländewagen- und Mountainbike Touren) liessen wir aus. Wir fuhren nur mit der Seilbahn auf den Hausberg Bob’s Peak, um den Blick auf die umgebende Berwelt und den See Wakatipu zu geniessen. Eine ruhige Aktivität möchte man annehmen. Aber das Action Potential (für das Queenstown bekannt ist, siehe oben) lag in einem unerwarteten Stromausfall, der den ganzen Komplex einschliesslich Restaurant, Kiosk und Gondeln lahm legte. Für uns bedeutete das Kaffee und Muffins satt und eine aufregende “courtesy” Geländewagenfahrt durch den Wald hinunter nach Queenstown.
Das war Adrenalin für den ganzen Tag, warum also länger hier bleiben? Auch der einsetzende Regen machte uns die Entscheidung leichter, deshalb fuhren wir auf direktem Wege nach Te Anau.
Tag 15: Te Anau - Milford Sound - Te Anau
Tageskilometer: 249
Übernachtung: Top 10 Holidaypark Te Anau
Ich weiss nicht woher diese typisch deutsche Reisephilosophie kommt, schöne Plätze dieser Welt möglichst als erster zu entdecken und das Reiseerlebnis dann besonders schön ist, wenn man der einzige (deutsche) Tourist vor Ort ist. Da der Milford Sound als touristischer Höhepunkt Neuseelands gilt, kann man ihn schlecht neu entdecken, alles was wir tun konnten, war gegen 7 Uhr morgens den Campingplatz zu verlassen, um wenigstens zu den Ersten zu gehören. Ich verschluckte mich am Kaffee, als schon eine halbe Stunde früher das erste Wohnmobil abfuhr…
“Der Weg ist das Ziel”, das könnte man sehr gut zur Milford Road sagen. Die 120km lange Strasse von Te Anau zum Fjord war mit das Schönste, was wir in den drei Wochen erlebt haben. Wer meint, bereits das erste Teilstück den Lake Te Anau entlang würde schon unerhörte landschaftliche Reize bieten, wird bei der Fahrt durch das Eglinton Valley, wo die Strecke in steiles, bewaldetes Bergland vordringt und sich durch eine subalpine Wunderwelt windet, um dann an die scheinbar unbezwingbaren kahlen Felsen am Oberlauf des Hollyford River zu stossen, kaum noch Worte finden. Zudem sorgten die spektakulären Witterungsbediengungen des frühen Morgens für unübertroffene Stimmungsbilder. Da hingen Wolkenfetzen auf halber Höhe in den Tälern, Frühnebel bedeckte teilweise die Wiesen und die Sonne schickte ihre warmen Strahlen in schrägem Winkel zu Boden. Wir waren aufgeregt wie kleine Jungs, hüpften bei Fotostops von einem Bein aufs andere, denn die grosse Bescherung - der Milford Sound - sollte ja noch kommen!
Schliesslich bahnte sich die Strasse durch den Homer Tunnel ihren Weg in das steile Cleddau Valley und fiel 900 Höhenmeter zum Milford Sound ab. Der Milford Sound ist der nördlichste und mit seinen steilen Felswänden, die 1.200m aus dem Wasser aufragen (erinnert an den norwegischen Lysefjord), und Wasserfällen, die über abschüssige Täler herabstürzen, der berühmteste der 15 Fjorde. Seine grosse Anziehungskraft verdankt dieser Fjord vor allem auch der leichten Zugänglichkeit per Strasse. Vor Fertigstellung der Strassenverbindung im Jahr 1952 gab es nur die Möglichkeit mit dem Boot oder zu Fuss auf dem allseits gerühmten Milford Track zur Fjordspitze zu gelangen.
Kurz vor Mittag schifften wir uns zu einer 1,5 stündigen Bootsfahrt ein und genossen mit nur 15 anderen Reisenden die beeindruckende Szenerie. Danach war eine längere Rast nötig, wir mussten unbedingt die vielen Eindrücke dieser Naturschönheiten verarbeiten.
Auf dem Rückweg unternahmen wir einen kleinen Ausflug auf dem Routeburn Track, dessen Anfang bzw. Ende an der Milford Road liegt. Wir wanderten zum fast 1.000m hohen Key Summit und die fantastische Aussicht von dort entschädigte mich etwas für den regnerischen Tag auf dem Mackinnon Pass.
Tag 16: Te Anau - Manapouri
Tageskilometer: 75
Übernachtung: Manapouri Glade Motor Park (Stellplatz Nr. 7 empfehlenswert!)
Nach so vielen Erlebnissen sollte dieser Tag wieder etwas ruhiger werden. Gerne wären wir auf dem Lake Manapouri Kajak gefahren, doch die hohen Wellen vereitelten diesen Plan. Statt dessen freuten wir uns über die Sonne auf dem gemütlichen Campingplatz, der eingerahmt von Beech Trees direkt am See lag.
Bewegung gab es später schliesslich bei einem drei stündigen Spaziergang auf den ersten Kilometern des Kepler Tracks, der ganz in der Nähe zwischen Te Anau und Manapouri liegt.
Tag 17: Doubttful Sound
Tageskilometer: 0
Übernachtung: Manapouri Glade Motor Park
Eigentlich konnten wir es selbst kaum glauben. Für den Doubtful Sound Ganztages-Ausflug hatten wir eine Tour beim kleinsten Anbieter gebucht (12 Teilnehmer max.) und auch noch 35$ gegenüber dem Massenveranstalter Real Journeys gespart!
Im Gegensatz zum Milford Sound gestaltete sich die Anreise hier ganz anders, aber nicht weniger beeindruckend. Zuerst eine Stunde Bootsfahrt auf dem Lake Manapouri, dann die unvermeidliche Besichtigung der Manapouri Power Station, einem unterirdischen Wasserkraftwerk. Noch lag jedoch der Wilmot Pass und eine Busfahrt auf der teuersten Strasse Neuseelands vor uns, bevor wir die eigentliche drei stündige Bootsrundfahrt begann.
Der vielarmige Doubtful Fjord (hier sei kurz erwähnt, das die neuseeländischen Fjorde irrtümlicher weise Sounds genannt werden, wobei es sich bei Sounds eigentlich um ehemalige Flusstäler handelt, die im Gegensatz zu Fjorden nicht gletscher-geformt sind) präsentierte sich so ganz anders als der Milford Sound. Statt nakten Felswänden bekamen wir relativ sanfte, bewaldete Berge zu sehen. Es war weniger die Dramatik die beeindruckte, vielmehr besass dieser Fjord eine spannende Mystik - verstärkt durch den grau-bedeckten Himmel. Ein paar Trolle oder Orks hätten dieses Bild perfekt abgerundet. Statt dessen begegneten uns wieder einmal Pelzrobben und Dickschnabelpinguine, Delphine waren leider nicht zu sehen.
Tag 18: Manapouri - Te Anau - Gore - Balclutha - Dunedin - Portobello (Otago Peninsula)
Tageskilometer: 346
Übernachtung: Portobello Kiwi Holiday Park (Stellplatz Nr. 6 empfehlenswert!)
Bevor wir Te Anau und das Fjordland verliessen, besuchten wir noch das Wildlife Centre und bestaunten den Takahe. Diesen flugunfähigen, blaugrünen Vogel hielt man ein halbes Jahrhundert lang für ausgestorben, bevor man ihn 1948 erstmals wieder entdeckte. Durch ein erfolgreiches Zuchtprogramm konnte die Population wieder auf etwa 220 Exemplaren angehoben werden. Wenn man diese Tiere betrachtet, hat man den Eindruck einem urzeitlichen Vogel aus der Steinzeit gegenüber zu stehen.
über die Fahrt von Te Anau quer durchs Land zur Ostküste gibt es wenig zu berichten. Ziemlich gerade Strassen, ein paar Hügel, Schafweiden und Einöden prägten das Bild. Auch das Wetter trug eher dazu bei depressiv zu machen, als aufzuheitern. Kein Wunder also, das im Supermarkt von Gore kein Tropfen Alkohol zu bekommen war - nur in einer Ecke standen verschämt ein paar Flaschen mit alkoholfreiem Wein.
Tag 19: Portobello - Dunedin - Portobello
Tageskilometer: 52
Übernachtung: Portobello Kiwi Holiday Park
Je länger wir insgesamt unterwegs waren, desto langsamer wurde unser Reisetempo. Wir spürten wie wir mehr und mehr mit Eindrücken und Erlebnissen angefüllt wurden. Das war sicherlich der Grund, weshalb wir in letzter Zeit immer zwei Nächte an einem Ort verbrachten, wenn es möglich war.
Ein neuer Morgen begann auf der Otago Peninsula und wir freuten uns, diesen kleinen Holiday Park in Portobello entdeckt zu haben, der abseits in einer Seitenstrasse lag. Die Otago Halbinsel erstreckt sich östlich von Dunedin und trennt den Hafen vom Pazifik. Die Peninsula ist ein dünn besiedeltes, hügeliges Gebiet von landschaftlicher Schönheit, das eine aussergewöhnliche Tierwelt beherbergt. Neben Gelbaugenpinguinen lockt diese Gegend mit der weltweit einzigen Festlandkollinie von Albatrossen.
Auf Spaziergängen erkundeten wir die Küste mit ihren schroffen Klippen, die 200m zum Meer hinabfallen, den eingestürzten Meereshöhlen und Felswänden aus mehreren Schichten vulkanischer Lava. Schliesslich sahen wir auch einen der majestätischen Albatrosse hoch über unseren Köpfen am Himmel kreisen. Nur wenn sein Flug den einer Möwe kreuzte, konnten wir uns die eindrucksvolle Flüglspannweite von bis zu 3,5m vorstellen. Erstaunlich auch, das Männchen und Weibchen (die ein ganzes Leben lang zusammen bleiben) in entgegengesetzter Richtung die Welt umfliegen und alle zwei Jahre zum selben Brutplatz zurückkehren, wobei sie im Abstand von nur wenigen Tagen nacheinander eintreffen.
Den restlichen Tag widmeten wir und dem Shopping in Dunedin und genossen den bisher besten Cappuccino unserer Fahrt im Cafe “The Fix”.
Tag 20: Portobello - Moeraki - Oamaru
Tageskilometer: 180
Ubernachtung: Top 10 Holiday Park Oamaru
Die Moeraki Boulders sind ähnlich wie die Panecake Rocks ein touristischer Pflichtstop entlang der Strasse, wenn auch weniger los ist. Bei den Boulders handelt es sich um bis zu 2m dicke Steinkugeln, die “einfach so” am Strand liegen. Ihre Entstehung haben sie einer Kombination aus unterirdischem Druck und Erosion zu verdanken.
Viel aufregender war dagegen die Besichtigung von Oamaru, einer Stadt die so gar nicht nach Neuseeland zu passen scheint. Wo sonst in Städten nur langweilige Holzhäuser und einfache Steingebäude zu sehen sind, präsentierte sich Oamaru als architektonisches Wunderland. An einer Prachtstrasse sind die prunkvollen Paläste aus hellem Kalkstein aufgereiht, die eher an Griechenland und Italien erinnern. Ausserdem gab es auch ein Art Museumsviertel, mit kleinen, nach altem Muster eingerichteten Geschäften, hier und da lehnte sogar ein Hochrad an der Häuserwand.
Aber Oamaru hatte auch noch etwas anderes zu bieten, eine Kolonie von Zwergpinguinen (Blue Penguin Colony). Kurz vor Dämmerung beobachteten wir dort, wie die kleinen Geschöpfe zu ihren Nistplätzen ans Ufer stolperten. In grösseren Gruppen kamen an diesem Abend 130 Tiere an Land und unterhielten sich auf pinguinisch über ihren Tag auf See. Der Guide erklärte uns, das sie nur etwa 45min Schlaf benötigen und schon bei Morgendämmerung wieder auf dem Meer sind. Als wir mit unserem Auto zum Campingplatz fuhren, sahen wir auch überall in den Hafenanlagen Pinguine herumlaufen!
Tag 21: Oamaru - Christchurch
Tageskilometer: 284
Die letzte Etappe bahnte sich ihren Weg in gnadenlos gerader Linie durch die Canterbury Plains, als wollte sie uns den Abschied erleichtern. Nur die Neuseeländischen Alpen, die im Westen die Strecke flankierten, boten einen traumhaften Ausblick. Am späten Nachmittag näherten wir uns schliesslich der 300.000 Einwohner grossen Metropole Christchurch, mitten in der Rush Hour. Die verstopften Strassen passten so gar nicht zu dem Bild, das wir uns in den letzten Wochen von Neuseeland gemacht hatten. Von Christchurch flog Joachim zunächst nach Auckland, um am folgenden Tag seinen Rückflug nach Deutschland anzutreten.
21 Tage, die uns zwischenzeitlich lang vorkamen, waren nun doch schnell vergangen. Es war eine äusserst wertvolle Zeit, die Joachim und mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird! Gern hätte ich auch noch meine anderen beiden Brüder für je einen Monat bei mir gehabt





















